Der Becher oder Gral (jâm | جام)

Dr. Alireza Nurbakhsh

January 24, 2026

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In der Sufi-Dichtung hört man oft den Ruf: „O Schenke, fülle meinen Becher.“

Aber dieser Becher ist kein gewöhnlicher Becher. Es ist das Herz des oder der Liebenden, genau in dem Moment, in dem es klar genug wird, um die Schönheit des Geliebten widerzuspiegeln.

In diesem Moment spiegelt das Herz eine Schönheit wider, die weder physisch noch persönlich ist; und während es spiegelt, löst sich die Trennung auf.

Die Liebende und der Geliebte werden nicht mehr als getrennt gesehen – nur noch als Eins.

Der Becher, der das Herz ist, erschafft die Vision nicht. Er erfindet kein Licht. Er strahlt nur das zurück, was schon immer da war.

Wenn also der Liebende sagt: „Oh Mundschenk, fülle meinen Becher“, bittet er nicht um etwas Weltliches. Er bittet um Gnade – die Gnade, die das Herz poliert –, damit nichts zwischen ihm und dem steht, was es reflektiert.

Wie Hafez sagt:

All diese Sinnbilder von Wein und gemalten Formen von Liebe
sind nichts als ein einziger Blitz vom Gesicht des Schenken, der in die Tiefe des Bechers fällt.
این همه عکسِ می و نقشِ نگارین که نمود
یک فروغِ رخِ ساقی است که در جام افتاد